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Konglomerationseffekte

Konglomerationseffekte ergeben sich aus dem direkten Zusammenschluss der Netze. In erster Linie sind die Effekte der gemeinsamen Nutzung von Ressourcen (Resourcesharing) zu nennen: Drucker, Scanner und andere Peripheriegeräte können gemeinsam genutzt werden. Dies bietet sich insbesondere in kleineren Schulen an, wo die Geräte sonst kaum ausgelastet werden können. Aber auch CD- und Datei-Server können Datenbanken, Programmbibliotheken u.a. aus datenschutzrechtlicher Sicht unbedenkliche Bestände allen angeschlossenen Nutzern gemeinsam bereitstellen.

Ebenso kann ein gemeinsam verwendeter Proxyserver mit Cache helfen, das externe Transferaufkommen zu verringern. Als Beispiel dieser Art positiver Konglomerationseffekte ist in Abb. 5 der Einsatz eines das externe Transferaufkommen reduzierenden cachenden WWW-Proxyservers schematisch dargestellt: Eine Anforderung eines Client-Rechners aus dem lokalen Netz wird nicht einfach nach außen weitergeleitet, sondern vom Proxyserver angenommen, der das benötigte Objekt stellvertretend aus dem Internet anfordert. Dieses Objekt lagert der Proxy nach Erhalt in seinen Cache ein und liefert es an den anfordernden Client aus. Spätere Anforderungen des gleichen Objektes können dann aus dem Cache bedient werden. Neben einem verringerten externen Transfervolumen wird auch die Ausliefergeschwindigkeit für bereits im Cache befindliche Objekte erhöht, da diese direkt im LAN mit der vollen Geschwindigkeit ausgeliefert werden können. In der Praxis müssen noch gewisse Regeln beachtet werden, z.B. ob überhaupt gecacht werden darf, und ob die Gültigkeit der im Cache gelagerten Objekte zeitlich beschränkt werden muss. Ein solcher lokal cachender Proxy kann von allen Schulrechnern gemeinsam genutzt werden. Die Verwendung eines Proxyservers bietet sich in Schulen aber auf Grund der Filterfunktionalität an. Üblicherweise läßt sich damit den Bedingungen des Jugendschutzes eher Genüge leisten.

  
Abbildung 5: Einsatz eines Proxyservers
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\center\epsfig {file=proxy02.eps, clip=}\end{figure}

Einen großen Vorteil stellt ein schulzentraler Mail-Server dar. Kommunikation73 innerhalb, aber insbesondere auch zwischen den Gruppen Schüler, Lehrer und der Schulleitung wird merklich durch eine Trennung der Netze behindert. Zwar gibt es technisch die Möglichkeit, beispielsweise Lehrern jeweils unabhängig von ihrem Standort ihre Mailbox zur Verfügung zu stellen; es handelt sich um ein Roaming-Problem, das, bei interner Trennung der Netze, entweder die Öffnung eines Netzes nach außen im Sinne eines eigenen Diensteangebotes, oder aber durch Nutzung der Dienste eines externen Anbieters erfordert. Dabei könnte es sich beispielsweise um eine per IMAP oder Webmail zu nutzende Mailbox handeln -- von einem Intranet ist dann aber nicht mehr zu sprechen. Damit ergäbe sich aber bei der Nutzung von eMail eine heterogene Protokollvielfalt: Die eMail der Schüler würde aus praktischen Überlegungen extern per UUCP und intern per POP zu handhaben sein, die der Lehrer aber in- und extern etwa per IMAP oder HTTPS (Webmail). POP eignet sich für Lehrer-eMail nicht, da eine POP-Mailbox nicht mit dem Lehrer aus einem in das andere Netz wandern kann. Aus ästhetischen und praktischen Gesichtspunkten sollte die eMail-Domäne der Schüler sich nicht von der der Lehrer und der der Schule unterscheiden; im Idealfall können also Schüler, Lehrer und Schulleitung einer einzigen Domäne zugeordnet werden. Der Bildungsserver Rheinland-Pfalz74 stellt allen Schulen kostenlos eine Sub-Domäne und die Möglichkeit des eMail-Austauschs nach verschiedenen Verfahren, insbesondere aber per UUCP, zur Verfügung. Ex usu bietet sich UUCP unbedingt an, wenn alle Schüler eigene eMail-Adressen erhalten sollen. 75

  
Abbildung 6: Problematik des Mailversands ohne gemeinsamen internen Mailserver bei Nutzung von UUCP: Aus dem administrativen Netz ist ein Zugriff auf die eMail im pädagogischen Netz unmöglich.
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\center\epsfig {file=mail_uucp.eps, clip=}\end{figure}

Neben der Tatsache, dass durch die Verwendung externer eMail-Server für interne eMail unnötiger Netzbalast produziert wird, erscheint das Verfahren grotesk. Niemand käme auf die Idee, die Hauspost ersatzlos zu streichen und statt dessen sämtlichen internen Briefverkehr über die Post abzuwickeln. Außerdem weist der LfD darauf hin, dass verwaltungsinterne eMail auch intern zu versenden sei:

,,Elektronische Nachrichten, die lediglich innerhalb einer öffentlichen Stelle versandt werden sollen, dürfen das interne Netz nicht verlassen.``76

Häufig sind die Rechnerräume und Computerlabore den ganzen Tag ausgelastet. Funktionierende pädagogische Rechnernetze werden vormittags unterrichtlich, nachmittags durch AGs und Fortbildungsveranstaltungen und abends von Volkshochschulkursen genutzt. Für die Unterrichtsvorbereitung am Rechner bleibt Lehrern selten ein Freiraum übrig. Dieser Nachteil lässt sich durch den Anschluss von Rechnern in Lehrerzimmern oder speziellen Lehrervorbereitungsräumen an das pädagogische Netz leicht umgehen. Sind diese Rechner an das Verwaltungsnetz angeschlossen (de facto sind sie das meist: Verwaltung und Lehrerzimmer werden in der Literatur fast immer in einem genannt), kann die Unterrichtsvorbereitung nicht oder aber nur in einer anderen Umgebung erfolgen. Der Zugriff auf Schülerverzeichnisse, Programme und Datenbanken ist nicht möglich. Dateien können präpariert, müssen zum Datenaustausch aber auf Disketten oder anderen mobilen Datenträgern transportiert werden.77 Die gleiche Problematik ergibt sich bei der Nachbereitung des Unterrichts: Einsicht der von Schülern angefertigter oder edierter Dateien ist nur möglich, wenn sie vor Verlassen des Raumes kopiert werden. Folglich gewinnen Lehrer vor und nach den Unterrichtsstunden durch einen direkten Netzzugang wertvolle Zeit, wenn sie dadurch vom Verteilen und Einsammeln der Dateien entlastet werden.78Eine Abtrennung der Lehrerrechner vom pädagogischen Netz hat auch den Nachteil, dass es den Lehrenden nur im Rechnerraum möglich ist, etwas unter den später an den im Unterricht genutzten Rechnern vorliegenden Konstellationen und Konfigurationen zu erproben. Beim Anschluss an das pädagogische Netz dagegen gilt: ,,Da die Computer überall dieselbe Oberfläche haben, kann an jeder Stelle vom Lehrer aus an und mit dem Computer geübt werden.``79

Sind die Lehrerrechner allerdings ausschließlich an das pädagogische Rechnernetz angeschlossen, können die Vorteile moderner Schulverwaltungsprogramme nicht genutzt werden. Exemplarisch sei die Noteneingabe genannt. Im Abschnitt 2.8 werden weitere Möglichkeiten und Fähigkeiten aktueller Softwareprodukte angesprochen.

Alternativ ist es denkbar, Rechner nach Bedarf dem einen oder dem anderen Netz zuzuordnen:

,,Die beiden Rechner im Lehrerzimmer sind nur während der Zeit der Zeugniserstellung am Verwaltungsnetz angeschlossen. In der übrigen Zeit sind sie im Unterrichtsnetz, so können von dort aus die Lehrkräfte Aufgaben an Schüler überspielen oder ausdrucken.``80

  
Abbildung 7: Lehrerarbeitsplatz mit umschaltbarer Netzzuordnung
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\center\epsfig {file=verw_lehrer_paed.eps, clip=}\end{figure}

Bei dieser Vorgehensweise werden künstliche Barrieren aufgebaut: Die Arbeit ist sicherlich sehr gewöhnungsbedürftig und die Rechner müssen immer dann neu gestartet werden, wenn der Rechner dem jeweils anderen Netz zugeordnet werden soll81. Um dieses Verfahren mit aller Konsequenz umsetzen zu wollen, müssten Wechselplatten eingesetzt werden, die jeweils mit der Zuordnung zum anderen Netz ausgetauscht werden. Denn durch die Zuordnung zum unsicheren Netz besteht weder Schutz der auf der Festplatte vorgehaltenen Daten vor Zerstörung noch vor unbefugtem Auslesen.

Dem Administrator der Schulrechner werden durch einen Zusammenschluss der Netze ebenfalls Konglomerationsvorteile in Form von Arbeitserleichterung zuteil. Installationen können zentral durchgeführt werden, Rechner zur Wiederherstellung geklont werden.82Die in Schulen übliche heterogene Ausstattung kann in einem Netz wirksamer eingesetzt und administriert werden.83Der größte Vorteil für den Adminstrator ist jedoch viel eher auf die Kopplung als auf den physikalischen Zusammenschluss zurückzuführen und wird daher als Synergismus geführt.


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Daniel Jonietz