,,Eine Firewall ist eine Schwelle zwischen zwei Netzen, die überwunden werden muss, um Systeme im jeweils anderen Netz zu erreichen. Es wird dafür gesorgt, dass jede Kommunikation zwischen den beiden Netzen über die Firewall geführt werden muss. Auf der Firewall sorgen Zugriffskontrolle und Auditing dafür, dass das Prinzip der geringsten Berechtigung durchgesetzt wird und potentielle Angriffe schnellstmöglich erkannt werden.``261In einfacheren Worten:
Eine Firewall ist eine Passierstelle zwischen zwei Netzen, die entscheidet, ob eine Information aus dem einen in das andere Netz transportiert werden darf oder nicht.Prinzipbedingt können Firewalls nur an den Kontaktstellen zwischen Netzen eingesetzt werden, Angriffe innerhalb eines Netzes können nicht abgewehrt werden.
Eine Firewall bietet heute ein ,,Höchstmaß an Zugriffsschutz``262, fordert dafür Einschränkungen hinsichtlich der Performance (der Durchsatz sinkt) und der nutzbaren Dienste (es kann nur genutzt werden, was auf der Firewall konfiguriert ist). Ferner stellt sie natürlich ein besonders gefährdetes System dar, es ist ,,[e]in geschlossener Sicherheitsbereich für die Komponenten einer Firewall [...] erforderlich. Es müssen mechanisch stabile Umfassungen (einbruchs- und feuerhemmend) für die beteiligten aktiven Geräte verwendet werden. Zutrittskontrolle hat zu erfolgen.``263 Idealer Standort ist natürlich ein NOC.
Nach OPPLIGER unterscheidet man zwei Firewall-Grundkonzepte, Paketfilter und Anwendungs-Gateways, die auf vielfältige Art und Weise miteinander kombiniert werden können. Neben diesen Grundkonzepten gibt es andere Architekturen, etwa die Stateful-Inspection-Firewall, die den Grundgedanken des Paketfilters mit Funktionsweisen eines Anwendungs-Gateways kombiniert.264
Zusätzlich zur eigentlichen Konfiguration der Firewallkomponenten spielt auch ihr Standort und die Zuordnung zu einem der Netze sowie die Kombination der Grundtypen eine entscheidende Rolle. Eine Firewall setzt sich i.d.R. aus mehreren Firewallkomponenten zusammen.
Die verschiedenen Typen werden nun kurz mit Nennung ihrer Vor- und Nachteile angegeben:
Von der Konstruktion her muss jede Firewall so konzipiert sein, dass der Ausfall einer Komponente keinesfalls zum Verlust der Firewall-Funktionalität führen darf, sondern höchstens zum Verlust der Verbindung; es wird also nach Ausfall einer Firewallkomponente kein Datenverkehr mehr möglich sein.267
Alternativ ist denkbar, mehrere Firewalls in Reihe zu schalten268, so daß bei Ausfall einer Komponente die anderen den Datenverkehr dennoch kontrollieren. Dabei sinkt der Gesamt-Durchsatz aber noch weiter ab. Einige Ausfall-Szenarien, die auch den schlechtesten anzunehmenden Fall (worst case) abdecken, werden auf Seite [*] diskutiert. Dort wird davon ausgegangen, dass eine ausgefallene Firewall den gesamten Datenverkehr unkontrolliert und ungefiltert passieren lässt. Durch mehrere hintereinander geschaltete Firewall-Komponenten kann dieses Problem angegangen werden.
Firewallsysteme sollten so einfach wie möglich aufgebaut sein, denn mit zunehmender Komplexität steigt die Gefahr von Fehlkonfigurationen. Die Firewall kann nicht separiert von den Netzen administriert werden; als Schnittstelle benötigt sie sogar besondere Berücksichtigung der Gegebenheiten beider Netze.
Grundsätzlich sollte die Firewall den einzigen Netzübergang vom unsicheren ins sichere Netz darstellen, gegebenenfalls sind flankierende Vorgaben zu machen, die zusätzliche Netzzugänge (insbesondere per Modem oder ISDN-Karte) explizit verbieten.269Eine weitergehende grundlegende Diskussion von Firewall-Systemen ist an dieser Stelle nicht möglich, ich verweise daher insbesondere auf [DFN-FWL], [Orth 1998] und [Oppliger 1997].
Bei der Konzeption einer Firewall sind folgende W-Fragen von essenzieller Bedeutung:
Im direkten Zusammenhang mit der Thematik sind Firewalls an mindestens zwei Stellen interessant:
,,Grundsätzlich empfiehlt es sich daher, einen Anschluss an das Internet über einen zentralen, kontrollierten und abgesicherten Zugang zu realisieren (Firewall).``270
,,Firewalls können auch zum Einsatz kommen, wenn z.B. das schulische Netzwerk für Unterrichtszwecke mit dem Verwaltungsnetz der Schule verbunden werden soll, was derzeit allerdings noch ...aufgrund des Erlasses AZ I/6-6534.45/135271 vom 1997-08-04 des Kultusministeriums Baden-Württemberg verboten ist.``272
Diese Aufstellung stellt einen Spezialfall dar, der jedoch für unsere Situation einige Vorteile bietet. Das Netz mit dem geringsten Schutzbedarf in der Schule ist sicherlich das pädagogische Netz (vgl. Abschnitt 2.6.1), in praxi wird es traditionell überhaupt nicht vor Gefahren aus dem Internet geschützt. Durch eine erste Firewall-Lösung wird ein Grundschutz des Schulnetzes (und damit des pädagogischen und des Verwaltungsnetzes) gegen das Internet realisiert. Eine zweite Firewall trennt dann sowohl das Verwaltungsnetz vom pädagogischen Netz als auch nochmals das Verwaltungsnetz vom Internet. Nun lassen sich die zwei eingesetzten Firewalls als Komponenten eines Firewall-Systems betrachten, womit der Forderung nach einem Sicherheitssystem für die Firewall nachgekommen wird.273 Darüber hinaus entspricht dann das pädagogische Netz zwischen den beiden Firewalls im Wesentlichen einer Demilitarisierten Zone274 (DMZ).
Es ergeben sich bei Ausfall275 einer Firewall folgende Szenarien:
Da sich der Schutzbedarf immer an dem Bereich mit den sensibelsten Daten orientieren muss, kann es bei Verwendung einer zentralen Firewall für die gesamte Verwaltung mit einheitlichem Schutzniveau zu Unzufriedenheit in den Bereichen mit geringerem Schutzbedarf kommen. Der Gefahr, dass gerade von solchen Stellen zusätzliche Netzzugänge geschaffen werden, um die scheinbar nicht erforderlichen Restriktionen zu umgehen, muss wirkungsvoll begegnet werden. Denn durch die Schaffung zusätzlicher Netzzugänge wird der gesamte Zweck der Firewall ad absurdum geführt:
,,Zugänge, die nicht über die gesicherte Anbindung erfolgen ... sind zu untersagen und soweit möglich technisch zu unterbinden.``277Da eine Firewall den Netzverkehr innerhalb des Verwaltungsnetzes nicht kontrollieren kann, besteht bei zentralen Firewalls die Gefahr, das gesamte Verwaltungsnetz als eine Einheit zu betrachten. Dieser Aspekt muss bei der Gesamtbetrachtung der Sicherheit vernetzter Verwaltungen unbedingt betrachtet werden. Die Gefahr des internen Missbrauchs ist vorab zu klären.
Genau an den betrachteten Stellen kommen Firewall-Komponenten zum Einsatz: an der Schnittstelle zwischen Schulnetz und Internet ein Paketfilter; am Kontrollknoten zwischen Verwaltungsnetz und pädagogischem Netz ebenfalls.