• Aktuelles
  • Personen
    • Daniel Jonietz
    • Ansgar Jonietz
  • Rechnernetze
    • Konzeption
    • Kopplung
    • Links
    • Notizen
  • Schulungen
    • Ressourcen
    • Vergangenheit
  • Verschiedenes
    • Jabber
  • Jugend-forscht
www.jonietz.de  |  Verschiedenes  |  Jabber

Nie wieder ICQ

Freies Instant Messaging mit Jabber

Instant Messaging ist eine praktische Sache – würde es da nicht einen Haufen verschiedener Systeme geben, die größtenteils amerikanischen Medien-Giganten wie Microsoft oder AOL gehören und keine Kommunikation untereinander zulassen. Zum Geist des Internets passt das nicht wirklich; das E-Mail-Netz und das WWW sind dezentral aufgebaut, basieren auf frei verfügbaren Protokollen und erlauben selbstverständlich eine Kommunikation unabhängig vom jeweiligen Anbieter.

Ich möchte hier mit Jabber eine freie Alternative zu ICQ & Co. vorstellen, die ich jetzt seit einigen Monaten nutze und jedem weiterempfehlen kann. Eins vorweg: auch mit Jabber kann man weiterhin mit Nutzern anderer Systeme kommunizieren, natürlich nur bis man seine Gesprächspartner auch von Jabber überzeugt hat :) Doch bevor ich näher auf Jabber eingehe:

Warum kein ICQ?

Ich erwähne hier nur ICQ, weil es in meinen Augen das verbreitetste System ist, die anderen Messenger-Dienste verhalten sich aber weitgehend ähnlich: alle basieren auf einem proprietären, unter Verschluss gehaltenen Protokoll, das keine Kommunikation zu den Konkurrenten zulässt. Oft wurden Annäherungen durch kleine Änderungen am Protokoll sabotiert, so dass Clients von Drittanbietern nicht mehr funktionierten.

Doch abgesehen von diesen technischen Feinheiten liegt ein wesentlicher Grund für die angebrachte Skepsis gegenüber ICQ in den Nutzungsbedingungen. Vor einiger Zeit wurde dort folgender Paragraph eingefügt:

You agree that by posting any material or information anywhere on the ICQ Services and Information you surrender your copyright and any other proprietary right in the posted material or information. You further agree that ICQ Inc. is entitled to use at its own discretion any of the posted material or information in any manner it deems fit, including, but not limited to, publishing the material or distributing it.

Also auf gut Deutsch: ICQ Inc. erhält das Copyright an allen Informationen, die über das ICQ-Netz verschickt werden und darf damit machen was es will – veröffentlichen, verkaufen usw. Wem es hier nicht komisch vorkommt, die Rechte an seinen Chat-Logs an ein Tochterunternehmen von AOL/Time Warner zu übertragen, kann sich auf der Seite Sagt NEIN! zu ICQ noch ein paar Szenarien dazu durchlesen.

Dabei spielt es keine Rolle ob der Original-ICQ-Client oder ein Multiprotokoll-Client mit ICQ benutzt wird, da in beiden Fällen die Daten durch das ICQ-Netz gehen.

Warum Jabber?

Jabber-Logo

Jabber unterscheidet sich in vielen Punkten von den anderen Instant-Messaging-Systeme, sein Hauptmerkmal: es ist frei und offen, das Protokoll ist also öffentlich dokumentiert und kann von jedem in eigener Software benutzt werden.

Jabber wurde vom IETF zum Internet-Standard für Instant Messaging erklärt, so wie SMTP das Standard-Protokoll für den E-Mail-Versand ist. Auch von der Struktur her ähnelt Jabber dem E-Mail-Netz: es gibt viele Server, und da die Server-Software frei und mit Quelltext verfügbar ist kann jeder seinen eigenen Server eröffnen. Natürlich können Benutzer die an verschiedenen Servern angemeldet sind trotzdem miteinander kommunizieren, genauso wie eine E-Mail von einer web.de-Adresse auch bei gmail.com ankommt. Das Jabber-Netz ist also dezentral aufgebaut: kommt es zu einem Ausfall eines Servers sind nur die Benutzer dieses Servers betroffen.

Zur Identifikation der Benutzer dient der Jabber Identifier (JID), er folgt dem Schema name@jabberserver.tld und ähnelt damit einer E-Mail-Adresse. Mein JID ist ansgar@jabber.jonietz.de, ich bin also als Benutzer ansgar am Server jabber.jonietz.de angemeldet und kann dort von jedem anderen Jabber-Server kontaktiert werden.

Natürlich gibt es in Jabber über die Grundfunktionen hinaus auch Komfortmerkmale wie Dateitransfers, ein leistungsfähiges Chat-System (Multi User Chat) uvm.

Ganz im Gegensatz zu den kommerziellen System (siehe oben) wird bei Jabber großer Wert auf Privatsphäre gelegt. Die Datenverbindung zwischen Client und Server sowie zwischen Servern wird meist per SSL/TLS gesichert; zusätzlich können die Nachrichten selbst mit dem aus der E-Mail-Welt bekannten GPG verschlüsselt werden. Dann ist auch für die Server-Betreibern das Mitlesen der Nachrichten unmöglich.

Zur Kommunikation mit anderen Netzen (AIM, ICQ, MSN, Yahoo, IRC, ...) gibt es bei Jabber mit den Transports ein besonderes Konzept. Dabei funktioniert die Verbindung zum Fremdnetz nicht dadurch, dass das jeweilige Protokoll im Client selbst unterstützt wird (wie etwa bei Multiprotokoll-Clients). Stattdessen übernimmt der Transport auf dem Jabber-Server alles notwendige zur Vermittlung zwischen den Netzen. Dies geschieht für beide Nutzer transparent, so dass ich als Jabber-Anwender keinen direkten Unterschied spüre, ob mein Gesprächspartner direkt einen Jabber-Account hat oder im ICQ-Netz angemeldet ist. Umgekehrt werden auch meine ICQ-Kontakte vermutlich nicht gemerkt haben, dass ich in letzter Zeit keinen ICQ-Client mehr benutze sondern einen ICQ-Transport im Jabber-Netz.

Los geht's!

Damit es losgehen kann braucht man zunächst einen Jabber-fähigen Client – bei einer Auswahl von über Hundert Programmen sollte für jeden und jedes Betriebssystem etwas dabei sein, auch Handys und PDAs müssen nicht jabberfrei bleiben. Eine Liste findet sich auf http://www.jabber.org/web/Clients. Wer jetzt schon ganz vom Konzept überzeugt ist (wie ich :-) kann einen reinen Jabber-Client installieren, der keine anderen Protokolle beherrscht. Empfehlen kann ich Psi, der frei ist und auf Windows, Linux und Mac OS X läuft. Dann ist man allerdings für den Kontakt zu dem Fremdnetzen auf die Transports angewiesen.

Wer schon einen Multiprotokoll-Client wie Miranda, Gaim, Kopete, Trillian Pro usw. benutzt, hat es einfach: für die meisten gibt es ein Jabber-Plugin. Die Plugins unterstützen zwar nicht immer alle Jabber-Funktionen, aber zum sanften Umstieg auf Jabber bietet sich diese Lösung dennoch an, da die Verbindung zu anderen Netzen wie früher weiterläuft.

Bevor man nun seinen Jabber-Account erstellt, muss man sich für einen Server entscheiden – welcher gewählt wird spielt eigentlich keine besondere Rolle, in Deutschland bieten sich zum Beispiel jabber.ccc.de oder amessage.de an. Eine Liste von frei zugänglichen Jabber-Server wird unter http://www.jabber.org/web/Services geführt.

Wer bereits eine E-Mail-Adresse bei der United-Internet-Gruppe hat (also bei 1&1, GMX oder Web.de), hat bereits einen Jabber-Account: United Internet betreibt unter gmx.net einen Jabber-Server, der allen Kunden direkt ohne weitere Anmeldung zur Verfügung steht. Der JID entspricht einfach der E-Mail-Adresse. Auch alle Nutzer von Google Talk müssen sich nicht auf Serversuche begeben: Google Talk selbst basiert auf Jabber. In beiden Fällen kann natürlich auch ein anderer Jabber-Client genutzt werden, man ist nicht auf die vom Anbieter vorgegebene Software angewiesen.

Mit dem Client selbst kann dann direkt der Jabber-Account erstellt werden, dabei muss nur die gewünschte JID und ein Passwort gewählt werden, die JID setzt sich wie oben beschrieben aus dem gewünschten Namen und dem Servernamen zusammen, zum Beispiel mein_name@jabber.ccc.de. Falls es eine Fehlermeldung beim Anlegen des Accounts gibt ist vielleicht der gewünschte Benutzername auf diesem Server schon vergeben.

Wenn soweit alles geklappt hat kann man mit Jabber verbinden, in dem man seinen Status auf Online wechselt – willkommen im einzig wahren Instant-Messaging-Netz!

Und weiter?

Als erstes kann man natürlich schon bekannte Jabber-Kontakte zur eigenen Liste (bei Jabber auch Roster genannt) hinzufügen und sich selbst in ein Jabber-Verzeichnis eintragen, um von anderen besser gefunden werden zu können. Das Hinzufügen erfordert bei Jabber übrigens in jedem Fall eine Autorisierung, jeder Kontakt den ihr in eure Liste aufnehmen möchte muss also seine Zustimmung dazu geben.

Wer einen reinen Jabber-Client und die Transports benutzen möchte, kann diese nun einrichten: in Psi findet man sie unter Dienste durchsuchen. Dem Transport muss man seine eigenen Daten für das Fremdnetz angeben, z. B. die ICQ-Nummer.

Als weiterer Schritt kann die Verschlüsselung zum Server aktiviert werden (meist nur ein Häkchen bei SSL setzen).

Die Paranoiden können auch direkt GnuPG installieren um verschlüssselte Nachrichten auszutauschen, die Einrichtung und das Anlegen der Schlüssel dauert aber doch ein paar Minuten.

Bei der Suche nach weiteren Informationen zu Jabber sollte http://www.jabber.org die erste Adresse sein. Auch der Wikipedia-Artikel bietet einen guten Überblick und weitere Links.

Ich hoffe mit diesem kleinen Tutorial einige von Jabber als alternativen Instant Messenger überzeugen zu können und den schon überzeugten die erste Starthilfe beim Einstieg zu geben. Fragen und Anregungen sind natürlich willkommen.

    • Impressum
    • Nach oben
Valid XHTML 1.1
Valid CSS
© Ansgar Jonietz, ansgar@jonietz.de
Zuletzt geändert am 16.03.2009 um 17:13

http://www.jonietz.de/verschiedenes/jabber/index.php